der club der toten weicheier

Begleitmaterial

Impuls

Gemeinsam mit der Volkhochschule Bruchsal und der Sparkasse Bruchsal-Bretten initiierte die Musik- und Kunstschule eine Veranstaltungsreihe zum Thema "Gewalt an Schulen" im Oktober 2000. Vorträge mit den Referenten Dr. Siegfried Bäuerle von der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe und vom leitenden Schulamtsdirektor Dr. Werner Schnatterbeck waren zu hören, gezeigt wurde eine Karikaturenausstellung der Deutschen Jugendpresse e.V. und junge Kunstschüler zeigten Bilder, Masken und Plakate unter dem Titel "Bilder der Wut" in der Tiefgarage der Sparkasse. Dort hatte auch "Der Club der toten Weicheier" seine Premiere.

Absicht

Dem Leitungsteam der Musik- und Kunstschule war von vorneherein daran gelegen, keinen moralinsauren Beitrag zu diesem Thema zu leisten, der friedliebende Menschen von ihrer eigenen Meinung überzeugen soll. Außerdem wollten wir "Gewalt an der Schule" aus der Sicht der Jugendlichen behandelt wissen. Der Film erschien uns dafür ein geeignetes, weil für junge Menschen zugängliches Medium zu sein. Theaterschülerinnen und -schüler im Alter zwischen 16 und 24 Jahren sollten das Drehbuch selbst entwickeln. Wir wollten einen Film drehen, der Fragen aufwirft und keine Antworten gibt und vielleicht einer Schulklasse als Diskussionsgrundlage dient.

Empfehlung

Inzwischen haben einige Schulklassen in Bruchsal und Umgebung unseren Film gesehen. Die anschließenden Gespräche in Anwesenheit der Mitwirkenden haben unseren Hoffnungen ganz entsprochen. Die Reaktionen waren unterschiedlich, viele Meinungen wurden geäußert, aber immer waren gehaltvolle Diskussionen die Folge. Ausdrücklich hat Dr. Bäuerle von der PH in Karlsruhe unser kleines Werk gelobt und uns freundlicherweise gestattet, seine Empfehlung an dieser Stelle zu veröffentlichen.

Vorgabe

In den Vorgesprächen wurde im Leitungsteam immer wieder diskutiert, wie die Institution Schule auf das Phänomen "Gewalt" heute reagieren soll. Da wir Material für eine Filmdramaturgie suchten, nahmen wir natürlich auch Extrempositionen unter die Lupe.

These: Wer Gewalt ausübt, egal in welcher Form, fliegt von der Schule. Einige amerikanische Städte versuchen vergleichsweise toleranzlos Gewalttätern zu begegnen. "Zero tolerance" heißt die Zauberformel des New Yorker Bürgermeisters. Jedes Delikt wird mit harten Strafen geahndet, die Übeltäter werden entfernt, eingesperrt, der Stadt verwiesen. Hier wird nicht mehr nach Ursachen und Gründen gefragt. Die Verbrechensstatistik geht zurück, das Saubermannimage hat Erfolg, doch ist das wirklich eine Lösung? Dieser Frage wollten wir nachgehen. Die These "Null Toleranz!" wurde die einzige Drehbuchvorgabe für unseren Film.

Entstehungsgeschichte

Die eigentliche Geschichte, einschließlich der Dialoge, haben die Jugendlichen selbst erfunden. Das Leitungsteam hat nur ordnend eingegriffen.

In einem Brainstorming sammelten 15 Theaterschüler Assoziationen zum Thema "Gewalt". Dann hatte jeder die Aufgabe, sich mit der Null-Toleranz-Vorgabe eine Filmgeschichte in einem Satz auszudenken. Mehrheitlich einigten wir uns auf die hoffentlich beste Idee. Drei Arbeitgruppen bauten dann die "Geschichte in einem Satz" zu einem Exposé aus. Die Ergebnisse wurden wiederum im großen Plenum vorgestellt. Wir entwickelten gemeinsam die Szenenabfolge, legten fünf Hauptcharaktere fest, gaben diesen Figuren Namen und eine Rollenbiographie. Mit all diesen Informationen improvisierten die Arbeitsgruppen im freien Spiel die Dialoge. Dann spielten wir uns gegenseitig unser komplettes Filmchen in einer Rohfassung vor. Das Leitungsteam hat die besten Momente, die pfiffigsten Ideen, die schlüssigsten Lösungen schriftlich festgehalten und darauf zu einem Drehbuch zusammengeführt. Dies geschah alles an einem Tag.

Bereits am nächsten Morgen wurde das Drehbuch ausgeteilt, die Rollen besetzt und auch die Aufgaben hinter der Kamera vergeben. Die entsprechenden Wünsche wurden natürlich weitestgehend berücksichtigt, aber es liegt in der Natur der Sache, dass nicht alle befriedigt werden konnten. Jeder konnte aber in mindestens einer Szene auch vor der Kamera stehen. Wir hatten ja schließlich das Medium Film ausgesucht, um den Theaterschülern auch mal dieses Spielerlebnis zu ermöglichen.

Jetzt schwärmte die ganze Crew aus. Drehorte wurden festgelegt und eingerichtet, für gewisse Sets musste erst eine Drehgenehmigung eingeholt werden. Requisiten und Kostüme wurden besorgt, Materialien für die Maske, Scheinwerfer wurden gehängt. Wir legten den Drehplan fest, die Schauspieler begannen am Text zu arbeiten und gemeinsam zu proben.

Bereits am frühen Nachmittag fiel die erste Klappe. Der erste Drehtag war erst mitten in der Nacht beendet. Noch stand aber das Ende unseres Films nicht fest. Die Hartgesottenen machten sich also noch nach Drehschluss an die Autorenarbeit, um am nächsten Morgen die Schlussszene fertig zu haben. Nach einer unglaublichen Kraftanstrengung war am Ende eines zweiten langen Drehtags die letzte Szene wirklich im Kasten.

Die Postproduktion, also Schnitt, Abmischung, Musik und Abspann, wurde erst später in einem kleinen Team gemacht und hat ebenfalls drei Tage in Anspruch genommen.

 hauptseite
 inhalt
 screenshots